Es dankt in den aufkommenden Frühling: Markus Michalek
Liebe Leser,
Zeit, mich zu bedanken. Die meisten meiner Leser kenne ich nicht, weiß nichts über ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Welt oder die Gründe, weshalb Sie meine Worte lesen. Die wenigen meiner Leser, die ich kenne, schätze ich deswegen nicht mehr. Manche sind mir schon lange treu ergeben, andere kann ich mit meinen Worten nicht (mehr) begeistern – ich weine ihnen keine Träne hinterher.
Menschen kommen, Menschen gehen, Geschichten aber bleiben und ein Autor braucht seine Leser – ob es nun zehn, hundert oder ein paar (hundert)tausend sind … Die beste Geschichte der Welt (sei es nun in Buchform, Ebook, Blogpost oder eine kurze, auf den geliehenen Block einer hübschen Bedienung gekritzelte Erzählung) kann sich nicht über ihr rein materielles Da-Sein erheben. Denn dazu braucht es wenigstens einen Menschen, der sich in unseren hektischen, schnelllebigen Tagen eine Portion Muße gönnt, Kraft dieser Worte seine eigene Welt zu erschaffen und für eine Weile dort zu sein.
Auf diese Welt hat ein Autor dann keinen Zugriff mehr. Da ist gut so! Es genügt, wenn wir den Schlüssel dazu bereit legen. Nehmen müssen Sie ihn allerdings selbst. Tun Sie das ruhig weiter – es lohnt sich! In vielen Fällen!
Den Anspruch, den Erdball mit meinen Worten zu überschwemmen, einen einträglichen Bestseller nach dem Anderen zu produzieren, habe ich nicht. Aber erfahre ich nur von einem einzigen, bis dato mir unbekannt gebliebenen Menschen, in seinem Inneren hätten meine Worte etwas angesprochen, dann bin ich glücklich. Egal, ob ich Freude, Glück, Liebe Schmerz, Angst oder gar Ablehnung hervorrufe – ich weiß, ich habe einen Menschen erreicht. Dann und nur dann habe ich gut geschrieben.
Wirken Sie als Leser mit Ihrer Begeisterung ruhig weiter auf Literatur ein, denn es gibt keine Seligkeit ohne Bücher (Arno Schmidt) Verbreiten Sie diese Leidenschaft. Sei es durch den Besuch von Lesungen, den Kauf oder das Entleihen von Büchern oder durch ein Gespräch mit einem Autor. Dieser Autor wird es Ihnen danken, selbst wenn Sie vielleicht Zuckerbrot und Peitsche mit im Gepäck haben.
Für die unendliche Geduld, die Sie an den Tag legen, wenn Sie in die Welt meiner Worte eintauchen – Danke, denn selbstverständlich ist das nicht. Für die Freude auf Ihrer Seite, wenn ich etwas in Ihnen bewege – Danke.
Herzlich, Markus Michalek
Markus Michalek studiert Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der LMU in München und hat den dortigen Manuskriptum-Kurs besucht. Er schreibt Prosa als auch Lyrik. Sueddeutsche.de bezeichnet ihn als einen der “heimlichen Literaten” Münchens. Unter www.kapinski.wordpress.com führt er einen literarischen Blog.