Frühjahrspause

Mai 05 2010

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

zu bedanken gibt es weiterhin genug. Allein, es fehlt ein wenig die Zeit, die lieben Mitautoren genügend in den Hintern zu treten, damit sie das auch anständig tun … Ich denke, in ein paar Monaten habe ich genug Kraft, um hier weiterzumachen. Ich freue mich dann auf Ihre Wiederkehr.

Bis dahin mit herzlichen Grüßen

max dorner

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Danksager der Woche: Fridolin Schley

Mrz 05 2010

Lieber Leser,

Du wunderst Dich vielleicht, warum ich Dir schreibe nach all der Zeit, in der wir nichts, oder nur über Dritte von einander hörten. Von Max und anderen weiß ich, dass es Dir gut geht – und besser als mir. Ich möchte endlich ehrlich sein. Ich vermisse Dich.

Warum ich Dir schreibe? Weil wir uns nun fast auf den Tag genau zehn Jahre kennen. Das ist mir heute morgen eingefallen, als ich das Fenster geöffnet habe. Und weil ich Dich noch immer begehre. Das ist nicht wenig, das schaffen die wenigsten Paare. Manchmal will ich Dich so sehr, dass ich glaube, alles dafür in Kauf nehmen zu können; auch, dass ich Dich nie ganz für mich allein werde haben können. Ich habe an meiner Eifersucht gearbeitet. Ich habe eingesehen, dass ich Fehler gemacht, mich Dir aufgedrängt und Dich dabei aus den Augen verloren habe. Dass ich an Dir nur mich geliebt habe. Aber ich kann mich ändern, auch wenn Du uns Männern das ja immer absprichst. Ich verstehe jetzt, was Du mit „Kommunikationsproblemen“ meintest. Ich bin bereit für professionelle Hilfe.

Lg, Fridolin

P.S. Hab Dich nicht auf Facebook gefunden.

Fridolin Schley, eigentlich Münchner Autor, lebt seit einiger Zeit in New York City. Sein letztes Buch, die Erzählungssammlung “Wildes schönes Tier” erschien 2007.

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Es dankt in den aufkommenden Frühling: Markus Michalek

Feb 28 2010

Liebe Leser,

Zeit, mich zu bedanken. Die meisten meiner Leser kenne ich nicht, weiß nichts über ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Welt oder die Gründe, weshalb Sie meine Worte lesen. Die wenigen meiner Leser, die ich kenne, schätze ich deswegen nicht mehr. Manche sind mir schon lange treu ergeben, andere kann ich mit meinen Worten nicht (mehr) begeistern – ich weine ihnen keine Träne hinterher.

Menschen kommen, Menschen gehen, Geschichten aber bleiben und ein Autor braucht seine Leser – ob es nun zehn, hundert oder ein paar (hundert)tausend sind … Die beste Geschichte der Welt (sei es nun in Buchform, Ebook, Blogpost oder eine kurze, auf den geliehenen Block einer hübschen Bedienung gekritzelte Erzählung) kann sich nicht über ihr rein materielles Da-Sein erheben. Denn dazu braucht es wenigstens einen Menschen, der sich in unseren hektischen, schnelllebigen Tagen eine Portion Muße gönnt, Kraft dieser Worte seine eigene Welt zu erschaffen und für eine Weile dort zu sein.

Auf diese Welt hat ein Autor dann keinen Zugriff mehr. Da ist gut so! Es genügt, wenn wir den Schlüssel dazu bereit legen. Nehmen müssen Sie ihn allerdings selbst. Tun Sie das ruhig weiter – es lohnt sich! In vielen Fällen!

Den Anspruch, den Erdball mit meinen Worten zu überschwemmen, einen einträglichen Bestseller nach dem Anderen zu produzieren, habe ich nicht. Aber erfahre ich nur von einem einzigen, bis dato mir unbekannt gebliebenen Menschen, in seinem Inneren hätten meine Worte etwas angesprochen, dann bin ich glücklich. Egal, ob ich Freude, Glück, Liebe Schmerz, Angst oder gar Ablehnung hervorrufe – ich weiß, ich habe einen Menschen erreicht. Dann und nur dann habe ich gut geschrieben.

Wirken Sie als Leser mit Ihrer Begeisterung ruhig weiter auf Literatur ein, denn es gibt keine Seligkeit ohne Bücher (Arno Schmidt) Verbreiten Sie diese Leidenschaft. Sei es durch den Besuch von Lesungen, den Kauf oder das Entleihen von Büchern oder durch ein Gespräch mit einem Autor. Dieser Autor wird es Ihnen danken, selbst wenn Sie vielleicht Zuckerbrot und Peitsche mit im Gepäck haben.

Für die unendliche Geduld, die Sie an den Tag legen, wenn Sie in die Welt meiner Worte eintauchen – Danke, denn selbstverständlich ist das nicht. Für die Freude auf Ihrer Seite, wenn ich etwas in Ihnen bewege – Danke.

Herzlich, Markus Michalek

Markus Michalek studiert Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der LMU in München und hat den dortigen Manuskriptum-Kurs besucht. Er schreibt Prosa als auch Lyrik. Sueddeutsche.de bezeichnet ihn als einen der “heimlichen Literaten” Münchens. Unter www.kapinski.wordpress.com führt er einen literarischen Blog.

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Finn-Ole Heinrich dankt.

Feb 19 2010

lieber leser,

hand aufs herz und butter bei die fische: ohne dich geht ja nichts-

wie ich hier so sitze und nachdenke über unser verhältnis, da fällt mir auf: es ist doch fast eine partnerschaft (kein grund zur eifersucht, sehr verehrter leser-partner), die wir führen, wir schicken uns gegenseitig auf reisen, wir tauschen uns aus, wir setzen uns auseinander mit denselben themen, aber immer aus einer eigenen perspektive, wir müssen uns jeder einbringen mit aller kraft und all dem erlebten, damit es klappt, wir müssen nicht zu lösungen kommen, aber wir wollen uns irritieren lassen vom anderen, uns bewegen, mitnehmen lassen, uns einlassen. oder?

ich jedenfalls könnte mich nicht aufmachen, recherchieren, reisen, eintauchen, ja: mir das leben überall dort ansehen, wo es mir spannend erscheint, wenn ich nicht die rechtfertigung hätte, dir später davon zu berichten, du machst meine neugierde, meinen mitteilungswunsch zu einem job. später sitze ich vor meiner tastatur und frage mich, wie das erlebte bei dir ankommen wird, wie du es lesen, verstehen, deuten wirst, was bei dir ankommt, was dich irritiert, was es in deinem kopf veranstaltet, welchen tanz es aufführt.

und immer freue ich mich, wenn ich merke, dass eine geschichte unser beider baby ist. ich gehe raus und fange momente, figuren, themen ein und setze mich hin und denke und bastele und säge und feile und irgendwann schicke ich die geschichte raus in die welt, aber erst bei dir wird sie zu dem, was sie im besten falle sein kann: ein ort für gedanken, gefühle, eine kiste voller ideen – und zwar nicht meinen, sondern unseren. erst wenn du die geschichte liest oder ich sie dir vorlese, erst dann ist sie wirklich da und in der welt. und erst, wenn sie bei dir war, wird mir klar, was sie eigentlich ist, was sie vielleicht /auch/ ist, erst wenn ich mich mit dir unterhalte oder du mir eine mail schreibst oder ich nur die stimmung im raum greife, in dem ich dir vorgelesen habe oder über eine aus der dunkelheit gestellte frage nachdenke, merke ich, dass du, beim lesen oder zuhören, aus einer geschichte, die mal meine war, eine andere machst, nämlich eine zwischen uns. du entdeckst mit deinem blick, deinem ohr, deinem leben vor dieser geschichte ganz andere seiten, themen, probleme, witze als ich selbst in meiner geschichte vermutet (oder angelegt) habe. und dann eben ist es nicht mehr meine geschichte, sondern unsere geschichte.

ich glaube manchmal, du weißt gar nicht oder viel zu wenig, wie wichtig deine mitarbeit für mein schreiben ist. deshalb an dieser stelle wirklich und ausdrücklich: danke! danke sehr!

(lesungen übrigens, die ich ja oft und gerne mache, und bei denen du weniger leser als vielmehr zuhörer bist, aber doch in derselben rolle, sind unfassbar wichtig für mich (und vielleicht auch für dich?). hier erst merke ich so richtig, ob eine geschichte funktioniert, ob sie ankommt, verstanden wird, ob sie dir wege zu ihrem inneren anbietet, dich kitzelt, zieht, reizt oder fasziniert. hier merke ich, ob ich die sätze für mich oder für dich geschrieben habe, ob es mir freude bereitet, sie wort für wort in unseren raum zu stellen oder ob ich über sie hinweghasten muss, um zu kaschieren, dass sie noch nicht das ist, was uns zu mitstreitern, zu partnern macht.)

finn.

Finn-Ole Heinrich stammt aus – weils gar so schön exotisch klingt – Henstedt-Ulzburg und hat zuletzt einen Erzählungsband mit dem schönen Titel “Gestern war auch schon ein Tag” veröffentlicht.

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Es dankt mit heißer Feder: Daniel J. Kühn

Feb 12 2010

Liebe Leserin. Ich stelle mir folgendes vor: Du bist nackt. Nackt und im Bett. Nur Du, dein bebender Körper, womöglich eingeölt, und mein Buch. Mein Buch liegt auf Deiner Brust. Lassen wir das Öl besser weg. Nehmen wir stattdessen eine gesunde Körperlotion, die glänzt auch, hinterlässt aber keine Wunden auf den Buchseiten.

Deine roten Lippen sind leicht geöffnet. Die Welt besteht einzig aus meinem Buch. Ein Wolf heult. In meinem Buch. In der Stadt gibt es keine Wölfe. Aber in meiner Fantasie gibt es heulende Wölfe – die ziehen plündernd durch die Straßen einer zerfallenen Großstadt. Rote Augen in der Nacht. Jemand läuft quer, ein dunkler Schwamm, der in einer engen Gasse verschwindet. Oder wartet er an der nächsten Ecke? Ist es überhaupt ein ER? Ist es nicht vielleicht ein ganz schreckliches ES?!

Nein! Da! Die Seite ist zu Ende! Ausgerechnet jetzt. Deine schlanken Finger werden flink. Eben noch starr wie Stifte, greifen sie ineinander wie Fahrrädchen und blättern schnell um. Das Geblätter macht einen Höllenlärm, es stört – weil Du so konzentriert bist, liebe Leserin. Und nackt. Nackt ist gut: Kratzende Unterhosen oder Unterhemden lenken nur ab. Die Bettdecke rutscht immer wieder vom Bett. Sie ist schwer und alt. Lass die Bettdecke. Du musst Dich nicht bedecken. Du bist allein. Nur Du und mein Buch. Und Dein Körper, der weiß ist wie Milch, und im Kerzenlicht schimmert. Es ist warm. Im Backofen lodert das Holz. Wichtig ist natürlich das Buch. Und dass Du es liest. Darauf kommt es an. Bleibe mir also treu.

Als Hinterhofdichter hat man keine andere Wahl. Man muss schreiben. Zigaretten rauchen und schreiben. Und Tequila trinken, mit Salz und Zitrone. Ich selbst lese nicht nackt. Ich bin ein Mann. Das Buch würde nach Schweiß riechen, und voller Barthaare sein.

Beenden möchte ich diesen Brief mit meinem Lieblingsschlusssatz (aus dem epochalen Abenteuerroman ‚Verschollen in der Südsee’): Und alle hatten einen Sonnenstich.


Daniel Jaakov Kühn Erzählungen “Jakobs Reisen” erschienen im sympathischen yedermann Verlag. Er ist aber nicht nur Autor und Blogger sondern auch Veranstalter der kultigen Lesereihe speak&spin in München.

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Heute: mein eigener Dank

Feb 05 2010

Liebe Leser,

wenn ich darüber nachdenke, was mir an Ihnen am besten gefällt, so sind es zwei Eigenschaften. Beide kann ich nicht einmal belegen, höchstens an Einzelfällen. Zum einen Ihre Treue, ein kostbares Gut, störanfällig und für die Literatur eigentlich nur ein Thema, wenn sie bedroht oder zerstört ist. Deswegen nichts weiter davon. Zum anderen Ihr Störrisch-Sein, das Beharren von Lesern auf Ihre Lektüre, auf die Welt in einem Buch, wie Sie diese nach Hinweisen des Autors erschaffen haben. Aus rothaarigen Frauen werden brünette, aus Schurken liebenswerte Helden, Tote werden wieder lebendig (alles schon erlebt!), ganz nach Ihrem Belieben. Am Anfang hat mich das irritiert, inzwischen beharre ich nicht mehr auf meinem Standpunkt, sondern genieße diese Bereicherung. (Zugegeben, manchmal irritiert sie mich auch, aber Irritationen sind gut für die Augen!) Auch hierfür also: danke.

Bleiben Sie bitte den Büchern gewogen, mit herzlichen Grüßen, maximilian dorner

Maximilian Dorner wurde 1973 in München geboren, wo er mittlerweile auch wieder lebt. Zuletzt erschien von ihm der Selbstversuch „Ich schäme mich“. Mehr über ihn und seine Bücher finden Sie auf seiner Homepage www.maxdorner.de

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